Auswertung der TBTN 2015

Auswertung der TakeBackTheNight –
Demonstration am 30.04.2015 

Endlich veröffentlichen wir hier nun einen Teil unserer Gedanken im Nachbereitungs-prozess der diesjährigen TakeBackTheNight-Demonstration (TBTN-Demo) in Hamburg. Uns ist die Nachbereitung sehr wichtig, da wir denken, dass genau diese Reflexions-prozesse oft fehlen: nach einer großen Aktion wird wenig Zeit dafür eingeplant, die Luft aus Bündnissen ist raus und manchmal besteht auch einfach kein Interesse mehr. Somit gehen wichtige Lernschritte, die während der Vorbereitung und Durchführung passiert sind, verloren.

Das Orga-Team der TBTN-Demo 2015 bestand aus einem sehr spontanen Zusammen-schluss, der sich für einen relativ kurzen Zeitraum in die Organisation gestürzt hat. Durch die angekündigte Veranstaltung eines pick-up-artists (PUA; mehr dazu unter: https://www.facebook.com/PickUpFeminism) in Hamburg kam das große Bedürfnis nach einer queerfeministischen Demonstration auf. Durch den Austausch mit anderen Feminist_innen wuchs die Idee, mal wieder eine TBTN-Demo in Hamburg zu organi-sieren und uns gemeinsam die Straße (auch von den PUA) symbolisch und tatsächlich zumindest für diese eine Nacht (zurück) zu erobern.
Die Nachbereitung wird schlussendlich von einer sehr homogene Gruppe durchgeführt: able-bodied1, weiß2, cis3-weiblich4*, im Alter zwischen Mitte 20 und Mitte 30 und viele von uns haben studiert oder studieren. Uns ist wichtig, dies aufzuzeigen, um transparent zu machen, aus welcher Positionierung wir kommen. Wir haben dies bis jetzt nicht gemacht, da die Orga in der Vorbereitung durch viele Personen erweitert wurde, mit denen kein Austausch über unsere Gruppendefinition stattgefunden hat.

Schon die Vorbereitung und dann auch die Demo, das gemeinsame Zusammensein danach und die Nachbereitung noch jetzt, bereiteten und bereiten uns als Organi-sationszusammenhang viel Freude. Und nicht nur das: Geblieben ist das Gefühl von „Wir haben eine sinnvolle politische Aktion gemacht!“ und einem gegenseitigen Empowerment.
Uns ist im Zuge der Vorbereitung aufgefallen, dass es eine Herausforderung darstellt eine FLTI*-Demo zu planen, da die aktuell existierenden Strukturen cis-Männer*- besetzt sind. Hier wird deutlich, dass es bestimmte Aufgabenbereiche gibt, in denen FLTI* oftmals keine Verantwortung übernehmen/tragen.
Gerade in von cis-Männern* besetzten Aufgabenbereichen, wie zum Beispiel dem Ge-stalten des Layouts oder das Fahren des Demo-LKWs, erfordert diese Ausgangslage eine andere Planung als andere Demonstrationen.

Durch das sehr knappe Zeitfenster war die Vorbereitung für uns alle mit Stress ver-bunden. Ein Zeichen für die wunderbar funktionierende Zusammenarbeit ist jedoch, dass wir es immer wieder geschafft haben, uns nicht auch noch gegenseitig die Nerven aufzureiben. Ganz im Gegenteil konnten wir eine Atmosphäre schaffen, in der Stimmungen, Gefühle und Probleme aufgefangen und reflektiert werden konnten. So gelang es uns, die gemeinsame Planung trotz des Zeitdruckes, als stärkend und nicht als belastend wahrzunehmen.
Schon während der Vorbereitungsphase und dann auch im Nachhinein erreichte uns Kritik. Bei mehreren Dingen war es uns möglich sofort zu reagieren, andere wurden schon persönlich nachbesprochen und auf einige soll mit diesem Text eingegangen werden.

Die inhaltliche Kritik, die uns erreicht hat, bezog sich hauptsächlich auf unseren Aufruf. Der primäre Kritikpunkt ist, dass dem Aufruf eine intersektionale Perspektive fehlt. Es werden weiße cis Perspektiven als Norm dargestellt, wodurch andere Lebensrealitäten im Bezug auf Rape Culture unsichtbar gemacht werden/wurden. U.A. Womyn of Color und Trans* (of Color) erfahren Zuschreibungen, die nicht oder kaum benannt werden. Wir verzichten hier explizit auf Beispiele, weil wir eine homogene Gruppe sind, die diese Lebensrealität nicht teilen und wir die Befürchtung haben, durch Beispiele Zuschreibungen zu reproduzieren. Unser Text ist somit Teil eines allgemeineren Problems, da in vielen weißen feministischen Diskursen nur cis weiße Perspektiven benannt und als Norm konstruiert werden. Dazu kommt, dass der Aufruf relativ lang und in einer vorwiegend akademisch geprägten Sprache verfasst ist. Das macht ihn eher unzugänglich für Menschen, die nicht daran gewöhnt sind akademische Texte zu lesen. In Bezug auf Klassismus gibt es noch viele offene Fragen, denen wir uns in einer weiteren Auseinandersetzung stellen wollen.
Unser Anspruch an den Aufruf war ein anderer. Doch es passierte das, was zu oft passiert. Die Gruppe, die den Aufruf geschrieben hat, war sehr homogen: weiß, cis und viele von uns teilen eine Vorliebe für akademische Texte. Der Vorsatz einen Text in nicht-akademischer Sprache zu verfassen, der eine intersektionale Perspektive ein-nimmt, bedeutet nicht, dass dies auch passiert. Letztendlich haben wir weitestgehend unsere eigene Perspektive in unserer Sprache dargestellt. Die Nichtbenennung von Klassismus hat sich auch während der Demo fortgesetzt. Auch war der Sprachgebrauch auf dem großen Plenum klassistisch. Der Anspruch ist, verletzende Sprache zu vermeiden. Hier befinden wir uns in einem Lernprozess und bedanken uns bei allen, die uns mit ihrer Kritik weitergebracht haben!
Generell sind feministische Auseinandersetzungen oft weit davon entfernt klassistische Perspektiven mitzudenken. Vor allem im Popkultur- und Netzfeminismus ist die Auseinandersetzung oft akademisch geprägt. Das bedeutet nicht nur, dass alle akademisch reden, sondern dass die Themen, die Texte, das richtige Verhalten von Vorstellungen geprägt sind, die von einem akademischen Hintergrund stammen.

VOR DER DEMO
Zu Beginn der Demo gab es einige Unklarheiten. Manchen Menschen war nicht klar, ob es sich um eine angemeldete Demo handelte. Dies war der Fall und wir haben es versäumt nochmal explizit darauf hinzuweisen. Auch der Zeitplan für den Nachmittag und Abend wurde von uns nicht ausreichend kommuniziert. Deshalb an dieser Stelle nochmal ein großes SORRY, dass wir keine klaren Uhrzeiten veröffentlicht haben und so vor allem die Demo-Teilnehmer_innen, die nicht aus Hamburg kamen, ihre An- und Abreise schlecht planen konnten.
Mit dem Einsetzen der Dunkelheit haben sich ca. 500 Menschen versammelt, um gemeinsam den Abend zu verbringen und laut und kraftvoll die Straße einzunehmen.
Zunächst haben wir uns in der Flora getroffen, um bei einem gemeinsamen Anfang einen Überblick über verschiedene Belange (z.B. Wer sind die zuständigen Sanitäter_innen? Was ist eigentlich der EA (Ermittlungsausschuss)?) zu bekommen und einen Raum für offene Fragen zu haben. Zu kurz kam dabei allerdings der Input aus dem Vorbereitungskreis. Es wäre schön gewesen, wenn wir uns die Zeit genommen hätten, mehr zu unseren Intentionen, unserer Zusammensetzung und unseren Diskussionen im Vorfeld zu erzählen. Trotz des Versuches ansprechbare Personen über das Anfangsplenum sichtbar zu machen, wurde angemerkt, dass in den Zeiträumen, die von Unklarheit geprägt waren (durch z.B. technische Probleme), nicht ausreichend deutlich war, wer die informierten Ansprechpersonen sind. Wir haben uns im Nachhinein überlegt, dass es besser gewesen wäre einen ganzen gemeinsamen Tag mit Workshops, Arbeitsgruppen u.Ä. zu gestalten. Zudem hätten wir einen klaren Informationspunkt oder eine andere Kennzeichnung von Ansprechpersonen organisieren können. Vorher sollte es beim gemeinsamen Essen die Möglichkeit geben sich untereinander ein wenig kennenzulernen. Danke hier auch nochmals an die KüfA-Crew (Küche für Alle), die uns mit super leckerem Essen die Bäuche gefüllt hat. Leider gab es unsererseits eine fehlerhafte Kalkulation in der erwarteten Teilnehmer_innen-Zahl, sodass nicht für alle ausreichend Essen vorhanden war. Anzumerken ist zudem, dass für uns u.A. durch die Vorbereitung des Essens deutlich geworden ist, dass gerade die  unsichtbare Care-Arbeit5 klassischer Weise und auch in Zusammenhängen, die an sich selbst emanzipatorische Ansprüche stellen, nicht oder sehr selten von cis-Männern* übernommen wird. So haben sich trotz wiederholter Nachfrage keine cis-Männer* bereit erklärt, uns durch die Übernahme dieser wichtigen Aufgabe zu unterstützen.

WÄHREND DER DEMO
Trotz technischer Probleme mit dem Lautsprecherwagen (die uns fast an den Rand der Verzweiflung getrieben haben —> ein riesen Dankeschön nochmal an die Hilfe bei der Problemlösung!), konnten wir fast pünktlich starten. Zu Beginn drehte die Demo ihre erste Runde ohne die Unterstützung des Lautsprecherwagens, was aber unserer Ansicht nach grandios funktioniert hat! Erwähnen möchten wir auch nochmal unsere Freude über das Gelingen der Kinderbetreuung. Sowohl die Kinder und Bezugsperson-en, als auch die vor Ort betreuenden Personen waren rundum zufrieden.

Zu unserem Konzept gehörte eigentlich auch, dass die Demo komplett von Trans-parenten umgeben ist. Dies hätte einen weiteren Schutz für die Demo gewährleistet. Leider war die Demo nicht komplett umgeben. Grund dafür war, dass zu wenige Transparente mitgebracht wurden und dass die Demo wesentlich größer war als erwartet.
Während der Demo gab es eine spontane Routenänderung, da der Lautsprecherwagen aufgrund von parkenden Autos nicht durch eine der ursprünglich vorgesehenen Straßen passte. Aufgrund dieser Änderung sind wir mit der Demo über den Hamburger Berg (eine der meist besuchten Straßen des Hamburger Kiezes und grundsätzlich cis-männlich* dominiert) gelaufen. Es war ein Fehler von uns, dies nicht klar über den Lautsprecherwagen zu kommunizieren. So hätten sich wenigstens Menschen, die den Hamburger Berg kennen auf die Situation einstellen können. Die Situation auf dem Hamburger Berg hat dann sehr unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen.
Einige haben uns die Rückmeldung gegeben, dass sie die Situation als empowernd wahrnehmen konnten. So war es auch ein gutes Gefühl gemeinsam einen so cis-männlich* besetzten Raum zu kreuzen und dies sichtbar zu machen. Für andere war die Situation stressig und bedrohlich. Vor allem am Rand der Demo kam es zu Angriffen auf Demoteilnehmer_innen (u.A. ein Flaschenwurf, Beschimpfungen und körperliche Übergriffe). Diese Angriffe zeigen, dass es ein tief verwurzeltes Aggressionspotenzial gegen FLTI* und feministische Kämpfe gibt. Uns wird nicht das Recht zugesprochen auf die Straße zu gehen und diese einzunehmen. Der Kiez und andere Feierorte sind männlich* besetzte Räume und werden als solche vehement verteidigt. Wenn wir diese Räume stören, ist Übergriffigkeit die Konsequenz. So auch am 30.4. in Hamburg. Das unterscheidet diese Demo auch von anderen linksradikalen Demonstrationen. Diese werden meist von Cops angegriffen. Bei der TBTN 2015 waren kaum Cops in Sicht, weil wir offensichtlich nicht als gefährlich wahrgenommen werden. Den Großteil der Strecke wurden wir nur von einem PKW der Cops begleitet.
Fragen, die für uns in diesem Zusammenhang aufgekommen sind, sind: Warum gab es auf die Angriffe keine Reaktion von uns? Wieso ist Militanz so selten Thema? Wie defensiv oder militant wollen wir eigentlich sein? Wer würde durch ein höheres Militanz-Level ausgeschlossen werden? Wie können verschiedene Aktionsformen zusammen kommen? Ist das überhaupt möglich? Wir haben Lust diese Fragen auch weiter gemeinsam zu diskutieren und Antworten zu entwickeln.

Durch die Redebeiträge während der Demo haben wir versucht, unseren Aufruf inhaltlich zu erweitern. Trotzdem haben viele Perspektiven auf der Demo keine Sicht-barkeit erlangt. So sind Diskriminierungsverhältnisse wie Ageism6 oder Ableism7 kaum benannt worden. Darüber hinaus haben wir in der Vorbereitung zu wenig darauf geachtet, dass intersektionale Perspektiven in den Redebeiträgen berücksichtigt werden. Im Nachhinein haben wir uns die Frage nach der Intention von inhaltlichen Redebeiträgen auf TBTN-Demos gestellt. Wollen wir diese für uns halten, um uns ge-genseitig unsere Perspektiven zu erzählen? Geht es um die Außenwirkung? Wäre es vielleicht sinnvoller, Inhalte in Inputs oder Diskussionsveranstaltungen vor der Demo zu verlegen? Eine weitere Möglichkeit wäre es auch, sich inhaltlich eher auf ein Thema zu beschränken. Zudem war es ungünstig, dass die Redner_innen ihre Beiträge aufgrund von Technikproblemen nicht auf, sondern vor dem Lautsprecherwagen halten mussten. So waren sie zwar für die Demoteilnehmer_innen nicht sichtbar, dafür aber umso mehr für die Menschen außerhalb der Demo.
Auf einen Beitrag wollen wir noch einmal im Besonderen eingehen. In diesem Beitrag ging es sehr explizit um sexualisierte Gewalt, was sehr zwiespältig wahrgenommen wurde. Einerseits hätten wir gerne einen Hinweis auf den Inhalt des Beitrags gegeben, andererseits stellen wir uns die Frage, was Menschen tun sollen, die sich dazu entscheiden den Beitrag nicht anzuhören. Die Demo verlassen? Damit wäre der Schutzraum der Demo verloren gegangen. Kann der Awareness-Bus8 dies auffangen? Sollten Beiträge mit nicht nur empowernden/ambivalenten Themen gar nicht auf einer solchen Demo gehalten werden oder sollte zumindest über Zeitpunkt und Kontext solcher und ähnlicher Beiträge genauer nachgedacht werden?

NACH DER DEMO
Die Abschlusskundgebung wurde sehr unterschiedlich wahrgenommen. Den einen dauerte es zu lang, andere fanden die Musik und Stimmung gut und wieder andere hätten sich ein bisschen mehr „uns-selber-feiern“ gewünscht. Viele teilten jedoch die Meinung, dass der Redebeitrag hier nicht gepasst hat. Wir haben in der Nachbereitung feststellen müssen, dass wir das Ende der Demo nie wirklich zum Thema gemacht haben, was leider blöde Konsequenzen hatte. So gab es weder einen wirklichen Plan, wie Teilnehmer_innen den Kundgebungsort sicher verlassen können, noch eine ausreichende Wegbeschreibung, um zur anschließenden Kneipe zu kommen. Beides wäre leicht möglich gewesen – dafür entschuldigen wir uns!
Trotz Schwierigkeiten den Weg zu finden, hatten viele Menschen einen schönen Abend in der Kneipe. Eine von uns legte spontan die ganze Nacht Musik auf und es wurde ausgiebig gefeiert. Schade war nur, dass es sowohl zu wenig Sitzgelegenheiten, als auch Toiletten gab. Ein größerer Raum wäre auch nicht schlecht gewesen und viele hätten gern noch länger gefeiert. Ursprünglich war geplant die Orga der Kneipe an andere Menschen zu übertragen. Leider hat dies nicht geklappt, daher haben wir im kleinen Rahmen unser Möglichstes gegeben.

EIN JAHR SPÄTER
Alles in allem war die TBTN 2015 eine großartige Erfahrung für uns. Wir haben viel gelernt, uns neuen Aufgaben gestellt, gelernt uns zu vertrauen, festgestellt, dass wir gemeinsam sehr viel auf die Beine stellen können, uns gegenseitig empowert und wir haben den Eindruck, dass die TBTN 2015 zu einer breiteren feministischen Vernetzung in Hamburg geführt hat. Auch deshalb finden wir es sehr schade, dass unseres Wissens dieses Jahr keine TBTN geplant ist.

Jetzt, ein Jahr später, schauen wir auf eine lange und intensive Nachbereitung zurück.  Sicherlich tauchen nicht alle Aspekte, die kritisiert oder gelobt wurden, in diesem Text auf. Manche Dinge haben wir besprochen ohne sie in den Text einfließen zu lassen.

Wir würden uns freuen, wenn die TBTN 2015 und auch diese Reflexion eine Inspiration für Menschen darstellen und ein Anstoß für mehr FLTI*-Organisierung sein können.

Take back the nights.
Take back the streets.
Take the whole world.

 

1 Die Begriffe able-bodied und nicht able-bodied oder disabled beziehen sich auf eine gesellschaftliche Vorstellung von einem gesunden, idealen Körper im Gegensatz zu einem Körper, der nicht-gesund ist. Im Deutschen wird meist von “Menschen mit Behinderung” gesprochen. Du bist able-bodied, wenn dein Körper einem gesellschaftlichen Ideal von Gesundheit entspricht. Wenn du dir oftmals keine Sorgen darüber machen musst, aufgrund deiner körperlichen Verfasstheit angestarrt zu werden, dass dir ungefragt und gegen deinen Willen “geholfen” wird, dass du eine Toilette, einen Gebäudezugang, eine Ampel findest, die deinen Bedürfnissen entspricht, dass du einen Job aufgrund deines Körpers nicht bekommst, dass dir die Fähigkeit ein_e Mutter_Vater zu sein abgesprochen wird, dass dein Leben grundsätzlich als lebenswert betrachtet wird,… Wir benutzen den Begriff able-bodied, um die sonst unbenannte Norm eines gesunden “funktionierenden” Körpers sichtbar zu machen in Abgrenzung zu einem vermeintlich nicht idealen, nicht gesunden, nicht funktionierenden Körper.

2 weißsein wird häufig nicht benannt. weiße Personen sind über (kolonialen) Rassismus privilegierte Personen, haben Macht und Privilegien in gesellschaftlichen Strukturen. weiß ist keine Selbstpositionierung. Um den Konstruktions-charakter der Kategorie weiß hervorzuheben, wird diese kursiv und im Gegensatz zur politischen – im Sinne von widerständiger Selbstbezeichnung – Kategorie Schwarz klein geschrieben.

3 Du bist cis, wenn du dich mit dem Geschlecht identifizieren kannst, das dir bei deiner Geburt zugeordnet wurde. Du bist auch dann cis, wenn du noch nie gezwungen warst, dich mit deiner Geschlechtsidentität auseinanderzu-setzen, weil jemand anderes dich anders eingeordnet hat, als du es tust. Cis ist die sonst unbenannte Norm. Durch diese Sichtbarmachung der Norm können Fragen gestellt werden, die tabuisiert sind, so zum Beispiel, warum es sehr viel Forschung dazu gibt, warum Menschen Trans* sind, aber keine warum Menschen cis sind.

4 In unserer Gesellschaft werden Menschen willkürlich in eine von genau zwei Geschlechter-Kategorien (weiblich oder männlich) eingeordnet. Diese Kategorien betrachten wir nicht als etwas Natürliches sondern als Konstruktionen, die Menschen unterschiedliche Handlungsspielräume zuweisen. Es hat weder etwas mit Zufall noch mit Biologie zu tun, dass Frauen* häufiger den Abwasch machen (müssen) und Männer* seltener die Kinder hüten (dürfen). Mit dem Sternchen bei Frau* und Mann* wollen wir diese Konstruktion sichtbar machen und gleichzeitig Menschen, die sich zwischen den Polen weiblich* und männlich* oder auch jenseits davon verorten, sichtbar machen. Das Sternchen bedeutet auch, dass Menschen als Frauen* oder Männer* bestimmte (Diskriminierungs-) Erfahrungen machen können, ohne sich selber als Frau* oder Mann* zu begreifen.

5 Care-Arbeit ist Sorge- und Fürsorgearbeit. Damit ist zum Beispiel die Führung des Haushaltes und die Verpflegung der Familie mit Nahrung, sowie die Pflege von kranken oder älteren Angehörigen und die Versorgung und Beschäftigung der Kinder im Haushalt gemeint. Ein anderer Begriff für Care-Arbeit ist Reproduktionsarbeit. Care-Arbeit wird  oft nicht als „richtige“ Arbeit angesehen, sowie meist unentgeltlich oder in prekären Arbeitsverhältnissen ausgeführt. Sie wird meist von Frauen* übernommen. Fürsorge oder „Mütterlichkeit“ wird Frauen* gemäß eines sexistischen Vorurteils als „natürliche“ Eigenschaft zugeschrieben. Auch dadurch wird die Entwertung von Care-Arbeit begründet. Dabei ist sie eine zentrale gesellschaftliche Produktion, nämlich die Produktion des biologischen und gesellschaftlichen Lebens selbst.

6 Ageism verweist auf die Benachteiligung eines Menschen oder einer Personengruppe, aufgrund des Alters.

7 s. Fußnote Nr. 1 zu able-bodied

8 Der Awareness-Bus ist ein Angebot der Awareness-Gruppe auf der TBTN-Demo gewesen. Dieser ist die gesamte Zeit in der Demo mitgefahren und war Teil des Awareness-Konzepts. Er diente als mobiler und sicherer Rückzugsort, um sich ggf. einer unangenehmen Situation entziehen zu können, ohne die Struktur der Demo verlassen zu müssen.

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Fundsachen

Hey Hey,
falls noch eine_r Sachen vermisst, die er_sie auf, nach oder vor der Demo verloren hat, kontaktiert uns einfach!
tbtn2015 (at) riseup.net

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Ein großes Dankeschön!

es ist nun schon über 2 Wochen her und wir sind immer noch völlig geflasht von diesem wunderschönen Abend!
Wir haben uns die Nacht zurückerobert!
Im Moment befinden wir uns noch mitten in der Nachbereitung,unsere Ergebnisse werden wir teilweise hier veröffentlichen.

Bis dahin möchten wir aber allen Menschen, die dazu bei getragen haben, diese Demo ans Laufen zu kriegen und den ganzen Abend zu einer so gelungenen Zeit zu machen und damit der alltäglichen Kackscheiße die Stirn zu bieten, von Herzen danken!

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Umgang mit verschiedenen Geschlechtsidentitäten auf der Demo

Unter anderem, da es in der Vergangenheit auf Frauen*-Lesben*-Trans*-Inter* und alle die sich nicht als cis-Mämnner* begreifen Veranstaltungen zu trans*feindlichen Situationen kam, wollen wir hier explizit deutlich machen:

Niemand wird oder soll auf der Demo aufgrund von angenommenen oder zugeschriebenen Geschlechtsidentitäten angsprochen werden!

Wir wollen nicht nur kraftvoll die Nacht zurückerobern, sondern gemeinsam, solidarisch, achtsam miteinander umgehen und dabei nicht fremdgendern!

Seid euch bewusst, dass auch die Demo kein diskriminierungsfreier Raum ist. Wir wollen aber alles dafür tun, dass er so diskriminierungsfrei, wie uns heute möglich ist, ist. Das ist die Verantwortung von uns allen auf der Demo!

Das heißt:

Geht davon aus, dass alle Leute auf der Demo wissen, wo sie sind und hier richtig sind.

Sprecht keine Person an, aufgrund dessen wie ihr ihr_sein aussehen einordnet! Sprecht keine Person auf ihr_sein Geschlecht an!

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Feedback zum Aufruf und zur Demo

Für solidarische Kritik und positive Rückmeldungen, die uns bisher erreicht haben, bedanken wir uns herzlich! Mit jeglichem Feedback werden wir uns ausführlich in der Nachbereitung der Demo auseinandersetzen, und dazu auch etwas hier auf dem Blog veröffentlichen. Die Kritik, die uns bis jetzt erreicht hat und sich auf eher praktischer als inhaltlicher Ebenen bezieht, versuchen wir noch bis zur Demo umzusetzen.

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Podcast (Frequenz (A))

In dem neuen Podcast von Frequenz (A) ist unter anderem ein Interview mit den Refrent_innen der Veranstaltung „Was ist Rape Culture?“ vom Bündnis Pick Up Feminism! Take Down RSD#.

Den Podcast könnt ihr euch auch anhören, unter : http://frequenza.noblogs.org/post/2015/04/18/sendung-8-rape-culture-hungerstreik-griechenland-besetzung-altes-sportamt-bremen-soli-fest-am-lager-horst/

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Aktuelles

Es tut sich so einiges in den letzten Tagen:

Die ersten Übersetzungen (english und polnisch) sind online,  weitere sind in Arbeit und folgen bald!

Die Mobipakete sind alle auf dem Weg!

Dann gibt es nun unter „Kontakt“ die Mailadresse für die Pennplatzbörse sowie Kontakt zur Kinderbetreuung. Zur letzteren gibt es auch noch einen kleinen Text der auch als allgemeiner Artikel auf der Seite zu lesen ist.

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Kinderbetreuung

Die Kinderbetreuung stellt sich vor:
Wir sind eine Gruppe von Männern*, die eine solidarische Kinderbetreuung
für die Take-Back-The-Night-Demo 2015 organisieren. Im Kollektiven
Zentrum (KoZe) werden wir mit den Kindern spielen, toben, kochen oder
ihnen etwas vorlesen und dabei ständig für die Eltern erreichbar sein.
Wir freuen uns im Vorfeld über Anregungen und Wünsche, die wir gerne per
E-Mail unter tbtn-badkidz@riseup.net (GPG-Schlüssel unter Kontakt) entegegen nehmen.
Am Abend selbst können gerne noch Bezugspersonen der Kinder dazukommen.
Wir werden am 30. ab 17.00 Uhr im KoZe sein, damit ihr und eure Kinder
uns schon mal kennenlernen könnt. Falls Probleme auftreten, bringt ein
Shuttle-Auto Eltern schnell von der Demo in’s KoZe.

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Aufruf

Es ist endlich soweit, der Aufruf ist zumindest auf deutsch nun fertig!
Wir sind grad dabei ihn in mehrere Sprachen zu übersetzen, die wir im Laufe der Zeit dann auch hier hochladen werden bzw unter „Aufruf“.
Auch wird es noch ein ausführlicheres Glossar geben. Dies hat leider nicht mehr auf den Flyer gepasst, der nun auch zusammen mit Aufklebern und Plakaten in Druck ist!

TBTN 2015 – queerfeministische Take Back The Night Demonstration
Inhaltshinweis: Der folgende Text befasst sich mit sexualisierter Gewalt
Die Primärsprache des Textes ist deutsch. Der Fließtext wird immer wieder zur Erklärung einiger Wörter unterbrochen.

In Hamburg ist vom 8. – 10. Mai 2015 ein Seminar mit Julien Blanc, einem Coach der US-amerikanischen Firma „Real Social Dynamics“ (RSD), geplant. Julien Blanc ist einer der Pioniere und selbsternannter Guru der weltweiten so genannten Pick Up Artist-Szene. In den Seminaren soll den überwiegend männlichen Teilnehmenden beigebracht werden, wie sie Frauen* (in der Pick Up-Szene als „Hot Babes“ bezeichnet) mit gezielten Manipulationsversuchen aufreißen und so schnell wie möglich zu Sex bewegen können. Dabei wird zu Demütigung von Frauen* und zu Gewalt aufgerufen.

Erklärung Frauen* / Männer*
Menschen werden in eine von genau zwei willkürlichen Geschlechter-Kategorien eingeordnet. Diese Kategorien betrachten wir nicht als etwas Natürliches sondern als Konstruktionen, die Menschen unterschiedlich große Handlungsspielräume zuweisen. Mit dem Sternchen bei Frau* und Mann* wollen wir diese Konstruktion sowie Menschen, die sich zwischen oder jenseits von männlich* und weiblich* verorten, sichtbar machen.

Hinter Pick Up steht eine große Szene, die sich einer pseudowissenschaftlichen Methode bedient. Diese Methode folgt einer festgelegten Abfolge. Zunächst wird die Attraktivität einer Frau* von den Pick Up Artists (PUA) auf einer Skala von 1-10 eingestuft. Danach werden Methoden wie das „Push and Pull“ angewendet, bei der sich totale Nähe und Rückzug abwechseln. Sie sollen Frauen* dazu bringen, ihren eigenen Gefühlen nicht mehr zu vertrauen, was sie in eine zunehmend schwächere und abhängige Position drängen soll. Seminare und Bücher zum Thema beziehen sich auf Elemente aus der „neurolinguistischen Programmierung“. Diese verspricht die Steuerung des Gegenübers durch das Einsetzen von Sprache und Körpersprache. Bekannt wurden diese Manipulationstechniken durch das 2005 erschienene Buch „The Game“ von Neil Strauss.
PUA sind weltweit über soziale Netzwerke organisiert. Es gibt zahlreiche Pick Up-Seiten, das deutschsprachige Pick Up-Forum hat beispielsweise mehr als 100.000 Mitglieder. In den Foren wird sich über „Erfolge“ und Techniken ausgetauscht. PUA sehen Frauen* als Trophäen und Objekte, im Vordergrund steht das Streben nach Dominanz und Überlegenheit; Eigenschaften, die gesellschaftlich mit Männlichkeit verbunden werden. Die Manipulationsversuche der PUA sind psychische Gewalt, wobei die Grenze zu körperlicher Gewalt zum Teil überschritten wird.
Die zutiefst (hetero-)sexistische Pick Up-Szene ist die Konsequenz einer patriarchalen Gesellschaft, die Frauen* zu Objekten degradiert. PUA sind nur die Spitze des Eisbergs einer allgegenwärtigen Rape Culture.

Erklärung Hetero-Sexismus
Obwohl es unzählige Formen von Beziehungen, Begehren und Liebe gibt, gilt: 1 cis-Mann* + 1 cis-Frau* = Liebe = normal. Das heißt, alle hiervon abweichenden Formen werden unsichtbar gemacht, sanktioniert und diskriminiert.

Wir möchten an dieser Stelle deutlich zum Ausdruck bringen, dass uns bewusst ist, dass unsere Ausführungen sich hier überwiegend auf Sexismus beziehen und wir damit viele Herrschaftsverhältnisse ausblenden, die jedoch auch Bestandteile einer Rape Culture sind.

Was ist eigentlich Rape Culture?
Rape Culture bezeichnet gesellschaftliche Verhältnisse durch die sexualisierte Gewalt ermöglicht, normalisiert und gefördert wird. Sie ist im Alltag fest verankert und beeinflusst so unsere Wahrnehmung und unser Handeln. Grundlage für Rape Culture ist die Aufteilung in genau zwei Geschlechter und zwar in: vermeintlich starke, aktive cis-Männer* und angeblich schwache, passive cis-Frauen*, die sich ausschließlich gegenseitig begehren. Die Verstrickung und Auswirkungen von Rape Culture im Alltag lässt sich durch fünf miteinander verwobene Aspekte verdeutlichen.

Erklärung Sexualisierte Gewalt
Sexualisierte Gewalt bezeichnet alle Handlungen, die gegen den Willen einer anderen Person ausgeführt werden, und Sexualität als Mittel zum Zweck nutzt. Ziel von sexualisierter Gewalt ist Unterdrückung, Kontrolle und Demonstration oder Erhalt von Macht.

Erklärung cis-Männer*/cis-Frauen*
Du bist cis, wenn du dich mit dem Geschlecht identifizieren kannst, das dir bei deiner Geburt zugeordnet wurde. Du bist auch dann cis, wenn du noch nie gezwungen warst, dich mit deiner Geschlechtsidentität auseinanderzusetzen, weil jemand anderes dich anders eingeordnet hast als du es tust. Wir benutzen den cis-Begriff, um die sonst unbenannte Norm sichtbar zu machen.

Sexualisierte Gewalt ist alltäglich! Nach der offiziellen Dunkelfeldstudie des Bundes hat jede 7. cis-Frau* seit ihrem 16. Lebensjahr mindestens einmal sexualisierte Gewalt erlebt. Trans* und Inter*Personen werden in dieser Studie nicht einmal beachtet – und somit unsichtbar gemacht. Es sind also sehr viele Menschen unmittelbar betroffen. Und trotzdem wird sexualisierte Gewalt verhandelt, als fände sie niemals in unserem Umfeld statt. Die Alltäglichkeit sexualisierter Gewalt wird gezielt verleugnet (zum Beispiel durch das Rechtssystem). Öffentlich thematisiert werden nur Einzelfälle und wenn es die unbekannten ‘Anderen’ betrifft.

Erklärung Trans* und Inter*
Du bist Trans*, wenn du dich nicht mit dem Geschlecht identifizieren kannst, das dir bei deiner Geburt zugeordnet wurde. Du bist Inter*, wenn dein Körper nicht den festgelegten (medizinischen) Merkmalen von Geschlecht entspricht. Beide Begriffe werden auch als ermächtigende Selbstbezeichnungen gebraucht.

Sexualisierte Gewalt als Mythos. In einer Rape Culture existiert ein sehr genaues Bild davon wer, wann, wie gegenüber wem sexualisierte Gewalt ausüben kann. Dem rassistischen und verzerrten Mythos zufolge „springt ein dunkler, starker cis-Mann* aus dem Busch und ein junges, schlankes, weißes cis-Mädchen* an“. Diese Mystifizierung führt unter anderem dazu, dass sexualisierte Gewalt gegen Trans*- und Inter*Personen oder nicht able-bodied Menschen unsichtbar gemacht wird, da diese nicht den (hetero-)sexistischen Vorstellungen entsprechen. Weicht die erlebte Gewalt von dem Mythos ab, wird einer_einem das Erlebte abgesprochen. Gegensätzlich zum vermittelten Bild findet sexualisierte Gewalt zu 75% im direkten Umfeld statt, oft in der eigenen Wohnung. Die Betroffenen kennen in der Regel den_die Täter_in. Letztere nutzen das Mittel der sexualisierten Gewalt, um Macht auszuüben. Sexualisierte Gewalt findet in allen gesellschaftlichen Milieus satt.

Erklärung Able-bodied
Die Begriffe able-bodied und nicht able-bodied beziehen sich auf eine gesellschaftliche Vorstellung von einem gesunden, idealen Körper. Wenn du able-bodied bist, musst du dir keine Sorgen darüber machen, aufgrund deiner körperlichen Verfasstheit diskriminiert zu werden. Wir benutzen diesen Begriff, um die sonst unbenannte Norm eines „gesunden und idealen Körpers“ in Abgrenzung zu einem nicht idealen sichtbar zu machen.

Victim Blaming bezeichnet die Verschiebung der Schuld von dem_der Täter_in zu den Betroffenen. Vorbeugende Maßnahmen zum Schutz vor sexualisierter Gewalt wird den potenziell Betroffenen zugeschoben. Das führt zu massiven Bewegungs- und Freiheitseinschränkungen: Nachts nicht alleine unterwegs sein, nur bestimmte Kleidung anziehen, nicht zu viel Alkohol trinken. Werden diese Dinge nicht beachtet, seien Betroffene am Übergriff selbst schuld. Von den Betroffenen wird eine bestimmte Reaktion auf den sexualisierten Übergriff erwartet. So wird einer Person, die schluchzend vorträgt, was passiert ist, eher eine Betroffenheit zugestanden als einer Person, die sachlich und distanziert berichtet. Auch der Vorwurf der Falschbeschuldigung gehört zu Victim Blaming. Entgegen jeder Statistik wird Betroffenen dieser Vorwurf gemacht und der_die Täter_in von seiner_ihrer Schuld freigesprochen. Je mehr die sexualisierte Gewalt vom gesellschaftlichen Mythos abrückt, desto mehr kann sich Victim Blaming verstärken.
Sexualität wird mit Gewalt gleichgesetzt! Es gibt viele Ausdrücke, die durch sexualisierte Sprache gewaltvolle Handlungen beschreiben sollen. Beim Beispiel „Fuck Nazis“ können wir uns alle vorstellen, was damit gemeint ist. Durch einen solchen Sprachgebrauch wird Sex zu einer Praktik, bei der grundsätzlich eine Person demütigt und die andere Person unfreiwillig gedemütigt wird, anstelle von etwas, bei dem alle Beteiligten zustimmen und es als etwas Schönes empfinden.
Sexualität ist an bestimmte Vorstellungen geknüpft! Bis heute sind die gesellschaftlichen Erwartungen an Frauen* und Männer* beim Sex größtenteils unverändert geblieben. Männern* wird nach wie vor der überwiegend dominante Part, und Frauen* der passive Part zugewiesen. Weibliche* Sexualität soll ausschließlich der Lust und sexuellen Befriedigung des Mannes* dienen; andere Formen von Sexualität darf es nicht geben. Frauen* müssen Männern* in dieser Vorstellung permanent für Sex zur Verfügung stehen. Sie werden damit sexualisiert und zu Objekten gemacht. Dies legitimiert sexualisierte Gewalt.
Rape Culture sichert gesellschaftliche Macht- und Herrschaftsstrukturen. Um Rape Culture etwas entgegen zu setzen, brauchen wir eine grundlegende und revolutionäre Veränderung der Gesellschaft. Gegen Rape Culture zu kämpfen heißt für ein selbstbestimmtes Leben zu kämpfen!
Die Kampagne „Pick Up Feminism – Take Down RSD“ wurde ins Leben gerufen, um der Rape Culture auf verschiedenen Ebenen den Kampf anzusagen: Mit All-Gender-Informations-veranstaltungen; mit direkten Aktionen gegen das geplante Seminar von Julien Blanc in Hamburg; und mit einer Demonstration am Vorabend des 1. Mai. Dazu laden wir, ein queer_feministisches Bündnis aus unterschiedlichen politischen Zusammenhängen, alle FrauenLesbenTransInter* und alle, die sich nicht als cis-Männer* definieren, ganz herzlich ein!
Mit dieser Demo knüpfen wir an zwei feministische Traditionen an: Die Nacht des 30.4. als „Walpurgisnacht“ und die Take Back The Night-Demos, die seit den 1970ern an vielen Orten der Welt gegen (hetero-)sexistische Normalzustände und sexualisierte Gewalt stattfinden. Beides sind Bestandteile einer feministischen Geschichte, auf die wir Bezug nehmen wollen, auch wenn wir sie z.T. nicht unproblematisch finden. Auf den Take Back The Night -Demos der letzten Jahre (z.B. in Oldenburg, Bremen, Hannover und Hamburg) sind magische Momente entstanden – ein Gefühl von „Genau hier genau richtig“-Sein. Momente des Empowerments und der Solidarität, die Kraft geben, auch im Alltag, in dem wir so oft mit so einer Scheiße konfrontiert sind, kämpferisch zu bleiben.
Am 30.4. wollen wir uns in den Hamburger „Partyvierteln“ Schanze und Kiez symbolisch und praktisch die Nacht zurück erobern – die nächtlichen Straßen, die durch die beschriebenen Mythen und durch Übergriffe für Trans*- und Inter*Personen, Frauen* und Lesben* zu einem oftmals beschissenen Ort werden. Wir werden ohne cis-Männer* demonstrieren, um auf die Privilegien aufmerksam zu machen, mit denen die Kategorie cis-Mann* verbunden ist (auch wenn uns klar ist, dass nicht alle cis-Männer* die gleichen Privilegien haben).
Lasst uns die Nacht zurück erobern und uns den Raum nehmen, der sonst so oft von cis-Männern* dominiert wird. Lasst uns diesen Abend gestalten, wie wir Lust drauf haben! Wir wollen sichtbar und laut werden – wir wollen Platz haben, für vielfältige Identitäten, mit all unseren Eigenschaften, Fähigkeiten und Bedürfnissen. Gemeinsam und solidarisch erobern wir uns die Nacht zurück – LET’S TAKE BACK THE NIGHT!

Daten und Informationen zur
„Pick Up Feminism – Take down RSD“-Kampagne


Informationsveranstaltung „Was ist Rape Culture?“
am Freitag, 20. März 2015 um 19Uhr
im Centro Soziale, HH-Sternstr. 2
Informationsveranstaltung „Was ist Pick Up?“ am Freitag, 17. April 2015 um 19Uhr im Centro Soziale, HH-Sternstr. 2

Queerfeministische Take Back The Night Demonstration
in Hamburg am Donnerstag, 30. April 2015. Treffen um 19Uhr in der Roten Flora, HH-Achidi-John-Platz 1

All-Gender Aktionen am Donnerstag, 07. Mai 2015 in Hamburg gegen RSD. Achtet auf weitere Ankündigungen.

Weitere Informationen findet Ihr im Internet zu Kampagne auf der Facebook-Seite https://www.facebook.com/PickUpFeminism und zur Demonstration auf dem Blog https://tbtn2015.blackblogs.org. Wenn Ihr uns schreiben wollt Bitte an die Mail-Adresse tbtn2015@riseup.net.

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Take Back The Night

Es ist wieder soweit. Wir wollen auf ein neues dieses Jahr am 30.04. mit euch (Frauen*, Lesben*, Trans*, Inter* und allen, die sich nicht als Cis-Männer* definieren) auf die Straße gehen und sie uns nehmen!

Wie immer ist die Organisation etwas stressig, aber wir versuchen euch so schnell wie möglich mit allen wichtigen Informationen zu versorgen.

 

Der Aufruf ist in Arbeit und wird nächste Woche veröffentlicht, genauso wie kurz darauf die Flyer, Plakate und Aufkleber.

Es wird eine Kinderbetreuung geben, der Kontak und weiter Informationen folgen unter: Kontakt.

Wir versuchen auch eine Pennplatzbörse einzurichten, wozu auch, sobald das steht, der Kontakt unter: Kontakt zu finden ist.

Wir werden uns dieses Jahr vorher in der Roten Flora treffen, Wegbeschreibung ist unter Ort zu finden.

Die Demoroute wird von dort über die Schanze, St.Pauli zum Hafen gehen.

 

Wenn ihr Fragen, Anregungen, Kritk habt, euch ein Mobipaket, Infoveranstaltung wünscht oder uns unterstützen wollt, findet ihr die E-Mail und PGP-Key zur Orga unter Kontakt.

 

Wir freuen uns auf euch und eine großartige Take Back The Night Demo!

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