Auswertung TBTN 2015

Auswertung der TakeBackTheNight –
Demonstration am 30.04.2015 

Endlich veröffentlichen wir hier nun einen Teil unserer Gedanken im Nachbereitungs-prozess der diesjährigen TakeBackTheNight-Demonstration (TBTN-Demo) in Hamburg. Uns ist die Nachbereitung sehr wichtig, da wir denken, dass genau diese Reflexions-prozesse oft fehlen: nach einer großen Aktion wird wenig Zeit dafür eingeplant, die Luft aus Bündnissen ist raus und manchmal besteht auch einfach kein Interesse mehr. Somit gehen wichtige Lernschritte, die während der Vorbereitung und Durchführung passiert sind, verloren.

Das Orga-Team der TBTN-Demo 2015 bestand aus einem sehr spontanen Zusammen-schluss, der sich für einen relativ kurzen Zeitraum in die Organisation gestürzt hat. Durch die angekündigte Veranstaltung eines pick-up-artists (PUA; mehr dazu unter: https://www.facebook.com/PickUpFeminism) in Hamburg kam das große Bedürfnis nach einer queerfeministischen Demonstration auf. Durch den Austausch mit anderen Feminist_innen wuchs die Idee, mal wieder eine TBTN-Demo in Hamburg zu organi-sieren und uns gemeinsam die Straße (auch von den PUA) symbolisch und tatsächlich zumindest für diese eine Nacht (zurück) zu erobern.
Die Nachbereitung wird schlussendlich von einer sehr homogene Gruppe durchgeführt: able-bodied1, weiß2, cis3-weiblich4*, im Alter zwischen Mitte 20 und Mitte 30 und viele von uns haben studiert oder studieren. Uns ist wichtig, dies aufzuzeigen, um transparent zu machen, aus welcher Positionierung wir kommen. Wir haben dies bis jetzt nicht gemacht, da die Orga in der Vorbereitung durch viele Personen erweitert wurde, mit denen kein Austausch über unsere Gruppendefinition stattgefunden hat.

Schon die Vorbereitung und dann auch die Demo, das gemeinsame Zusammensein danach und die Nachbereitung noch jetzt, bereiteten und bereiten uns als Organi-sationszusammenhang viel Freude. Und nicht nur das: Geblieben ist das Gefühl von „Wir haben eine sinnvolle politische Aktion gemacht!“ und einem gegenseitigen Empowerment.
Uns ist im Zuge der Vorbereitung aufgefallen, dass es eine Herausforderung darstellt eine FLTI*-Demo zu planen, da die aktuell existierenden Strukturen cis-Männer*- besetzt sind. Hier wird deutlich, dass es bestimmte Aufgabenbereiche gibt, in denen FLTI* oftmals keine Verantwortung übernehmen/tragen.
Gerade in von cis-Männern* besetzten Aufgabenbereichen, wie zum Beispiel dem Ge-stalten des Layouts oder das Fahren des Demo-LKWs, erfordert diese Ausgangslage eine andere Planung als andere Demonstrationen.

Durch das sehr knappe Zeitfenster war die Vorbereitung für uns alle mit Stress ver-bunden. Ein Zeichen für die wunderbar funktionierende Zusammenarbeit ist jedoch, dass wir es immer wieder geschafft haben, uns nicht auch noch gegenseitig die Nerven aufzureiben. Ganz im Gegenteil konnten wir eine Atmosphäre schaffen, in der Stimmungen, Gefühle und Probleme aufgefangen und reflektiert werden konnten. So gelang es uns, die gemeinsame Planung trotz des Zeitdruckes, als stärkend und nicht als belastend wahrzunehmen.
Schon während der Vorbereitungsphase und dann auch im Nachhinein erreichte uns Kritik. Bei mehreren Dingen war es uns möglich sofort zu reagieren, andere wurden schon persönlich nachbesprochen und auf einige soll mit diesem Text eingegangen werden.

Die inhaltliche Kritik, die uns erreicht hat, bezog sich hauptsächlich auf unseren Aufruf. Der primäre Kritikpunkt ist, dass dem Aufruf eine intersektionale Perspektive fehlt. Es werden weiße cis Perspektiven als Norm dargestellt, wodurch andere Lebensrealitäten im Bezug auf Rape Culture unsichtbar gemacht werden/wurden. U.A. Womyn of Color und Trans* (of Color) erfahren Zuschreibungen, die nicht oder kaum benannt werden. Wir verzichten hier explizit auf Beispiele, weil wir eine homogene Gruppe sind, die diese Lebensrealität nicht teilen und wir die Befürchtung haben, durch Beispiele Zuschreibungen zu reproduzieren. Unser Text ist somit Teil eines allgemeineren Problems, da in vielen weißen feministischen Diskursen nur cis weiße Perspektiven benannt und als Norm konstruiert werden. Dazu kommt, dass der Aufruf relativ lang und in einer vorwiegend akademisch geprägten Sprache verfasst ist. Das macht ihn eher unzugänglich für Menschen, die nicht daran gewöhnt sind akademische Texte zu lesen. In Bezug auf Klassismus gibt es noch viele offene Fragen, denen wir uns in einer weiteren Auseinandersetzung stellen wollen.
Unser Anspruch an den Aufruf war ein anderer. Doch es passierte das, was zu oft passiert. Die Gruppe, die den Aufruf geschrieben hat, war sehr homogen: weiß, cis und viele von uns teilen eine Vorliebe für akademische Texte. Der Vorsatz einen Text in nicht-akademischer Sprache zu verfassen, der eine intersektionale Perspektive ein-nimmt, bedeutet nicht, dass dies auch passiert. Letztendlich haben wir weitestgehend unsere eigene Perspektive in unserer Sprache dargestellt. Die Nichtbenennung von Klassismus hat sich auch während der Demo fortgesetzt. Auch war der Sprachgebrauch auf dem großen Plenum klassistisch. Der Anspruch ist, verletzende Sprache zu vermeiden. Hier befinden wir uns in einem Lernprozess und bedanken uns bei allen, die uns mit ihrer Kritik weitergebracht haben!
Generell sind feministische Auseinandersetzungen oft weit davon entfernt klassistische Perspektiven mitzudenken. Vor allem im Popkultur- und Netzfeminismus ist die Auseinandersetzung oft akademisch geprägt. Das bedeutet nicht nur, dass alle akademisch reden, sondern dass die Themen, die Texte, das richtige Verhalten von Vorstellungen geprägt sind, die von einem akademischen Hintergrund stammen.

VOR DER DEMO
Zu Beginn der Demo gab es einige Unklarheiten. Manchen Menschen war nicht klar, ob es sich um eine angemeldete Demo handelte. Dies war der Fall und wir haben es versäumt nochmal explizit darauf hinzuweisen. Auch der Zeitplan für den Nachmittag und Abend wurde von uns nicht ausreichend kommuniziert. Deshalb an dieser Stelle nochmal ein großes SORRY, dass wir keine klaren Uhrzeiten veröffentlicht haben und so vor allem die Demo-Teilnehmer_innen, die nicht aus Hamburg kamen, ihre An- und Abreise schlecht planen konnten.
Mit dem Einsetzen der Dunkelheit haben sich ca. 500 Menschen versammelt, um gemeinsam den Abend zu verbringen und laut und kraftvoll die Straße einzunehmen.
Zunächst haben wir uns in der Flora getroffen, um bei einem gemeinsamen Anfang einen Überblick über verschiedene Belange (z.B. Wer sind die zuständigen Sanitäter_innen? Was ist eigentlich der EA (Ermittlungsausschuss)?) zu bekommen und einen Raum für offene Fragen zu haben. Zu kurz kam dabei allerdings der Input aus dem Vorbereitungskreis. Es wäre schön gewesen, wenn wir uns die Zeit genommen hätten, mehr zu unseren Intentionen, unserer Zusammensetzung und unseren Diskussionen im Vorfeld zu erzählen. Trotz des Versuches ansprechbare Personen über das Anfangsplenum sichtbar zu machen, wurde angemerkt, dass in den Zeiträumen, die von Unklarheit geprägt waren (durch z.B. technische Probleme), nicht ausreichend deutlich war, wer die informierten Ansprechpersonen sind. Wir haben uns im Nachhinein überlegt, dass es besser gewesen wäre einen ganzen gemeinsamen Tag mit Workshops, Arbeitsgruppen u.Ä. zu gestalten. Zudem hätten wir einen klaren Informationspunkt oder eine andere Kennzeichnung von Ansprechpersonen organisieren können. Vorher sollte es beim gemeinsamen Essen die Möglichkeit geben sich untereinander ein wenig kennenzulernen. Danke hier auch nochmals an die KüfA-Crew (Küche für Alle), die uns mit super leckerem Essen die Bäuche gefüllt hat. Leider gab es unsererseits eine fehlerhafte Kalkulation in der erwarteten Teilnehmer_innen-Zahl, sodass nicht für alle ausreichend Essen vorhanden war. Anzumerken ist zudem, dass für uns u.A. durch die Vorbereitung des Essens deutlich geworden ist, dass gerade die  unsichtbare Care-Arbeit5 klassischer Weise und auch in Zusammenhängen, die an sich selbst emanzipatorische Ansprüche stellen, nicht oder sehr selten von cis-Männern* übernommen wird. So haben sich trotz wiederholter Nachfrage keine cis-Männer* bereit erklärt, uns durch die Übernahme dieser wichtigen Aufgabe zu unterstützen.

WÄHREND DER DEMO
Trotz technischer Probleme mit dem Lautsprecherwagen (die uns fast an den Rand der Verzweiflung getrieben haben —> ein riesen Dankeschön nochmal an die Hilfe bei der Problemlösung!), konnten wir fast pünktlich starten. Zu Beginn drehte die Demo ihre erste Runde ohne die Unterstützung des Lautsprecherwagens, was aber unserer Ansicht nach grandios funktioniert hat! Erwähnen möchten wir auch nochmal unsere Freude über das Gelingen der Kinderbetreuung. Sowohl die Kinder und Bezugsperson-en, als auch die vor Ort betreuenden Personen waren rundum zufrieden.

Zu unserem Konzept gehörte eigentlich auch, dass die Demo komplett von Trans-parenten umgeben ist. Dies hätte einen weiteren Schutz für die Demo gewährleistet. Leider war die Demo nicht komplett umgeben. Grund dafür war, dass zu wenige Transparente mitgebracht wurden und dass die Demo wesentlich größer war als erwartet.
Während der Demo gab es eine spontane Routenänderung, da der Lautsprecherwagen aufgrund von parkenden Autos nicht durch eine der ursprünglich vorgesehenen Straßen passte. Aufgrund dieser Änderung sind wir mit der Demo über den Hamburger Berg (eine der meist besuchten Straßen des Hamburger Kiezes und grundsätzlich cis-männlich* dominiert) gelaufen. Es war ein Fehler von uns, dies nicht klar über den Lautsprecherwagen zu kommunizieren. So hätten sich wenigstens Menschen, die den Hamburger Berg kennen auf die Situation einstellen können. Die Situation auf dem Hamburger Berg hat dann sehr unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen.
Einige haben uns die Rückmeldung gegeben, dass sie die Situation als empowernd wahrnehmen konnten. So war es auch ein gutes Gefühl gemeinsam einen so cis-männlich* besetzten Raum zu kreuzen und dies sichtbar zu machen. Für andere war die Situation stressig und bedrohlich. Vor allem am Rand der Demo kam es zu Angriffen auf Demoteilnehmer_innen (u.A. ein Flaschenwurf, Beschimpfungen und körperliche Übergriffe). Diese Angriffe zeigen, dass es ein tief verwurzeltes Aggressionspotenzial gegen FLTI* und feministische Kämpfe gibt. Uns wird nicht das Recht zugesprochen auf die Straße zu gehen und diese einzunehmen. Der Kiez und andere Feierorte sind männlich* besetzte Räume und werden als solche vehement verteidigt. Wenn wir diese Räume stören, ist Übergriffigkeit die Konsequenz. So auch am 30.4. in Hamburg. Das unterscheidet diese Demo auch von anderen linksradikalen Demonstrationen. Diese werden meist von Cops angegriffen. Bei der TBTN 2015 waren kaum Cops in Sicht, weil wir offensichtlich nicht als gefährlich wahrgenommen werden. Den Großteil der Strecke wurden wir nur von einem PKW der Cops begleitet.
Fragen, die für uns in diesem Zusammenhang aufgekommen sind, sind: Warum gab es auf die Angriffe keine Reaktion von uns? Wieso ist Militanz so selten Thema? Wie defensiv oder militant wollen wir eigentlich sein? Wer würde durch ein höheres Militanz-Level ausgeschlossen werden? Wie können verschiedene Aktionsformen zusammen kommen? Ist das überhaupt möglich? Wir haben Lust diese Fragen auch weiter gemeinsam zu diskutieren und Antworten zu entwickeln.

Durch die Redebeiträge während der Demo haben wir versucht, unseren Aufruf inhaltlich zu erweitern. Trotzdem haben viele Perspektiven auf der Demo keine Sicht-barkeit erlangt. So sind Diskriminierungsverhältnisse wie Ageism6 oder Ableism7 kaum benannt worden. Darüber hinaus haben wir in der Vorbereitung zu wenig darauf geachtet, dass intersektionale Perspektiven in den Redebeiträgen berücksichtigt werden. Im Nachhinein haben wir uns die Frage nach der Intention von inhaltlichen Redebeiträgen auf TBTN-Demos gestellt. Wollen wir diese für uns halten, um uns ge-genseitig unsere Perspektiven zu erzählen? Geht es um die Außenwirkung? Wäre es vielleicht sinnvoller, Inhalte in Inputs oder Diskussionsveranstaltungen vor der Demo zu verlegen? Eine weitere Möglichkeit wäre es auch, sich inhaltlich eher auf ein Thema zu beschränken. Zudem war es ungünstig, dass die Redner_innen ihre Beiträge aufgrund von Technikproblemen nicht auf, sondern vor dem Lautsprecherwagen halten mussten. So waren sie zwar für die Demoteilnehmer_innen nicht sichtbar, dafür aber umso mehr für die Menschen außerhalb der Demo.
Auf einen Beitrag wollen wir noch einmal im Besonderen eingehen. In diesem Beitrag ging es sehr explizit um sexualisierte Gewalt, was sehr zwiespältig wahrgenommen wurde. Einerseits hätten wir gerne einen Hinweis auf den Inhalt des Beitrags gegeben, andererseits stellen wir uns die Frage, was Menschen tun sollen, die sich dazu entscheiden den Beitrag nicht anzuhören. Die Demo verlassen? Damit wäre der Schutzraum der Demo verloren gegangen. Kann der Awareness-Bus8 dies auffangen? Sollten Beiträge mit nicht nur empowernden/ambivalenten Themen gar nicht auf einer solchen Demo gehalten werden oder sollte zumindest über Zeitpunkt und Kontext solcher und ähnlicher Beiträge genauer nachgedacht werden?

NACH DER DEMO
Die Abschlusskundgebung wurde sehr unterschiedlich wahrgenommen. Den einen dauerte es zu lang, andere fanden die Musik und Stimmung gut und wieder andere hätten sich ein bisschen mehr „uns-selber-feiern“ gewünscht. Viele teilten jedoch die Meinung, dass der Redebeitrag hier nicht gepasst hat. Wir haben in der Nachbereitung feststellen müssen, dass wir das Ende der Demo nie wirklich zum Thema gemacht haben, was leider blöde Konsequenzen hatte. So gab es weder einen wirklichen Plan, wie Teilnehmer_innen den Kundgebungsort sicher verlassen können, noch eine ausreichende Wegbeschreibung, um zur anschließenden Kneipe zu kommen. Beides wäre leicht möglich gewesen – dafür entschuldigen wir uns!
Trotz Schwierigkeiten den Weg zu finden, hatten viele Menschen einen schönen Abend in der Kneipe. Eine von uns legte spontan die ganze Nacht Musik auf und es wurde ausgiebig gefeiert. Schade war nur, dass es sowohl zu wenig Sitzgelegenheiten, als auch Toiletten gab. Ein größerer Raum wäre auch nicht schlecht gewesen und viele hätten gern noch länger gefeiert. Ursprünglich war geplant die Orga der Kneipe an andere Menschen zu übertragen. Leider hat dies nicht geklappt, daher haben wir im kleinen Rahmen unser Möglichstes gegeben.

EIN JAHR SPÄTER
Alles in allem war die TBTN 2015 eine großartige Erfahrung für uns. Wir haben viel gelernt, uns neuen Aufgaben gestellt, gelernt uns zu vertrauen, festgestellt, dass wir gemeinsam sehr viel auf die Beine stellen können, uns gegenseitig empowert und wir haben den Eindruck, dass die TBTN 2015 zu einer breiteren feministischen Vernetzung in Hamburg geführt hat. Auch deshalb finden wir es sehr schade, dass unseres Wissens dieses Jahr keine TBTN geplant ist.

Jetzt, ein Jahr später, schauen wir auf eine lange und intensive Nachbereitung zurück.  Sicherlich tauchen nicht alle Aspekte, die kritisiert oder gelobt wurden, in diesem Text auf. Manche Dinge haben wir besprochen ohne sie in den Text einfließen zu lassen.

Wir würden uns freuen, wenn die TBTN 2015 und auch diese Reflexion eine Inspiration für Menschen darstellen und ein Anstoß für mehr FLTI*-Organisierung sein können.

Take back the nights.
Take back the streets.
Take the whole world.

 

1 Die Begriffe able-bodied und nicht able-bodied oder disabled beziehen sich auf eine gesellschaftliche Vorstellung von einem gesunden, idealen Körper im Gegensatz zu einem Körper, der nicht-gesund ist. Im Deutschen wird meist von “Menschen mit Behinderung” gesprochen. Du bist able-bodied, wenn dein Körper einem gesellschaftlichen Ideal von Gesundheit entspricht. Wenn du dir oftmals keine Sorgen darüber machen musst, aufgrund deiner körperlichen Verfasstheit angestarrt zu werden, dass dir ungefragt und gegen deinen Willen “geholfen” wird, dass du eine Toilette, einen Gebäudezugang, eine Ampel findest, die deinen Bedürfnissen entspricht, dass du einen Job aufgrund deines Körpers nicht bekommst, dass dir die Fähigkeit ein_e Mutter_Vater zu sein abgesprochen wird, dass dein Leben grundsätzlich als lebenswert betrachtet wird,… Wir benutzen den Begriff able-bodied, um die sonst unbenannte Norm eines gesunden “funktionierenden” Körpers sichtbar zu machen in Abgrenzung zu einem vermeintlich nicht idealen, nicht gesunden, nicht funktionierenden Körper.

2 weißsein wird häufig nicht benannt. weiße Personen sind über (kolonialen) Rassismus privilegierte Personen, haben Macht und Privilegien in gesellschaftlichen Strukturen. weiß ist keine Selbstpositionierung. Um den Konstruktions-charakter der Kategorie weiß hervorzuheben, wird diese kursiv und im Gegensatz zur politischen – im Sinne von widerständiger Selbstbezeichnung – Kategorie Schwarz klein geschrieben.

3 Du bist cis, wenn du dich mit dem Geschlecht identifizieren kannst, das dir bei deiner Geburt zugeordnet wurde. Du bist auch dann cis, wenn du noch nie gezwungen warst, dich mit deiner Geschlechtsidentität auseinanderzu-setzen, weil jemand anderes dich anders eingeordnet hat, als du es tust. Cis ist die sonst unbenannte Norm. Durch diese Sichtbarmachung der Norm können Fragen gestellt werden, die tabuisiert sind, so zum Beispiel, warum es sehr viel Forschung dazu gibt, warum Menschen Trans* sind, aber keine warum Menschen cis sind.

4 In unserer Gesellschaft werden Menschen willkürlich in eine von genau zwei Geschlechter-Kategorien (weiblich oder männlich) eingeordnet. Diese Kategorien betrachten wir nicht als etwas Natürliches sondern als Konstruktionen, die Menschen unterschiedliche Handlungsspielräume zuweisen. Es hat weder etwas mit Zufall noch mit Biologie zu tun, dass Frauen* häufiger den Abwasch machen (müssen) und Männer* seltener die Kinder hüten (dürfen). Mit dem Sternchen bei Frau* und Mann* wollen wir diese Konstruktion sichtbar machen und gleichzeitig Menschen, die sich zwischen den Polen weiblich* und männlich* oder auch jenseits davon verorten, sichtbar machen. Das Sternchen bedeutet auch, dass Menschen als Frauen* oder Männer* bestimmte (Diskriminierungs-) Erfahrungen machen können, ohne sich selber als Frau* oder Mann* zu begreifen.

5 Care-Arbeit ist Sorge- und Fürsorgearbeit. Damit ist zum Beispiel die Führung des Haushaltes und die Verpflegung der Familie mit Nahrung, sowie die Pflege von kranken oder älteren Angehörigen und die Versorgung und Beschäftigung der Kinder im Haushalt gemeint. Ein anderer Begriff für Care-Arbeit ist Reproduktionsarbeit. Care-Arbeit wird  oft nicht als „richtige“ Arbeit angesehen, sowie meist unentgeltlich oder in prekären Arbeitsverhältnissen ausgeführt. Sie wird meist von Frauen* übernommen. Fürsorge oder „Mütterlichkeit“ wird Frauen* gemäß eines sexistischen Vorurteils als „natürliche“ Eigenschaft zugeschrieben. Auch dadurch wird die Entwertung von Care-Arbeit begründet. Dabei ist sie eine zentrale gesellschaftliche Produktion, nämlich die Produktion des biologischen und gesellschaftlichen Lebens selbst.

6 Ageism verweist auf die Benachteiligung eines Menschen oder einer Personengruppe, aufgrund des Alters.

7 s. Fußnote Nr. 1 zu able-bodied

8 Der Awareness-Bus ist ein Angebot der Awareness-Gruppe auf der TBTN-Demo gewesen. Dieser ist die gesamte Zeit in der Demo mitgefahren und war Teil des Awareness-Konzepts. Er diente als mobiler und sicherer Rückzugsort, um sich ggf. einer unangenehmen Situation entziehen zu können, ohne die Struktur der Demo verlassen zu müssen.